Newsletter November 2019: „Sterben einmal anders?“

herbsttERINNERUNG an etwas Wesentliches…
… ERINNERUNG an die Achtsamkeit

„Wer den Tod fürchtet, setzt voraus, daß er ihn kennt;
ich aber weiß weder, was sein Wesen ist,
noch was er in der anderen Welt aus uns macht.“
Michel de Montaigne (1533 – 1592)“

Heute schon …
über den Tod sinniert? Was löst das aus an Gedanken und Gefühlen? „Nur weg von hier“, vorsichtige Annäherung oder vertrauter Umgang? Die Bandbreite ist gross, die Reaktionen mitunter heftig.

Novemberbeginn ist die Zeit, in der wir unserer Toten gedenken. Neben den äusseren Ritualen kann auch unser Innerstes berührt sein: Erlauben wir uns, über das eigene Sterben nachzudenken? Manchmal habe ich das Gefühl, an das Thema darf gar nicht gerührt werden, soviel Tabu kreist darum. (Solltest du eben konkret und direkt betroffen sein, so bitte ich um Behutsamkeit und Nachsicht.)

Wenn alles ungewiss ist auf dieser Welt, unsere eigene Endlichkeit ist es nicht. Wieviel leichter wäre unser Leben, würden wir offen und konstruktiv mit unserer Sterblichkeit umgehen! Ich möchte das Thema nicht kleinreden und keineswegs zu Respektlosigkeit in dieser Richtung auffordern. Respekt vor Leben und Tod, aller Lebewesen, zählt zu den höchsten und „heiligen“ Werten.

Doch wie wäre es, sich darin zu üben, der Vorstellung des eigenen Sterbens tabulos und freundlich zu begegnen? Neugierig, sanft und vielleicht sogar fröhlich? Wie Lotte Ingrisch, deren Beispiel mich zu diesen Gedanken inspiriert hat. Nicht alles, was sie sagt, möchte ich teilen, aber ihr Humor und ihr angstfreier Zugang zum Sterben gefallen mir. Davon lässt sich lernen. Hilfreicher als jede Versicherungspolizze :-)

Wie ist das bei dir? Vielleicht hast du eben die nötige Zeit und Muße, den Zugang zur eigenen Sterblichkeit auf eine für dich günstige Weise zu reflektieren? Vielleicht JETZT?
Und wenn nicht jetzt, dann vielleicht ein andermal…

Beste November Grüsse
Ulli Pastner

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PS:. Lotte Ingrischs Leben ist so interessant, wie ihre Aussagen mitunter irritierend sind. Sie hat zahlreiche Bücher geschrieben, u.a. „Reiseführer ins Jenseits“, von dem du hier eine Hörprobe finden kannst.

Inspirierend war kürzlich das Ö1 Hörbild: Letzte-Hilfe-Kurse mit Martin Prein, das leider nicht mehr nachzuhören ist. Doch die angeführten Bücher und Links können dir als Quelle für weitere Anregungen dienen. Im ORF Fernsehen gab und gibt es aktuell eine Reihe von – allgemein informativen – Sendungen zum Umgang mit dem Tod und über die Hospizbewegung wie etwa kreuz und quer oder treffpunkt medizin.
Fröhlicher finde ich da die buddhistische Sicht wie die vom Berliner Arzt Wilfried Reuter: Der Tod ist ganz ungefährlich. (Diese 3 Minuten solltest du dir anhören.) Oder hast du schon vom Death Cafe gehört? Eine spannende Bewegung, die versucht, dem Thema Tod mit mehr Offenheit zu begegnen.

PS2. Beim letzten NAW Abend haben wir uns u.a. zum Umgang mit der eigenen Sterblichkeit ausgetauscht, im Kontext des Ansatzes von „Deep Adaptation“. Der ist eine eigene Geschichte, die bis hin zu Extinction Rebellion führt… Doch wenn du viel Zeit und tiefgehendes Interesse zum Klimathema hast, sehr zu empfehlen: Hier ein Beitrag auf meinem Blog mit weiterführenden Links.

Übrigens kommt NAW-Gründer Kai Romhardt am 17. November zu einem Seminar nach Wien: Wahrer Erfolg: Jenseits von Kalkül und Strategie – Wie Achtsamkeit und Absichtslosigkeit uns mit dem Wesentlichen verbinden.

Das waren diesmal viele „PS“.  Aber es ist ja ein langes Wochenende und die Tage werden immer kürzer und das Thema ist schliesslich wichtiger als alle anderen. Meinst du nicht auch?

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